Pfötchenfarm:
400 Hunde und ich
Eine Woche als freiwilliger Helfer in Portugal

„Ich wusste gar nicht, dass Scheiße so schwer sein kann!“ – das ist eine der Erkenntnisse, die ich auf der Pfötchenfarm in Portugal gesammelt habe. Aber von vorne:
Durch Freunde von mir bin ich auf die Pfötchenfarm in Portugal (Patas & Tino) aufmerksam geworden. Organisiert wird das alles durch den Tierschutzverein tino e.V..
Als freiwilliger Helfer zahlt man den Flug und ist für sein Essen verantwortlich, aber eine Unterkunft ist inklusive – und zwar direkt auf der Farm! Das ist ein extrem schönes, aber auch intensives Erlebnis.
Meine Woche auf der Pfötchenfarm ging von Ende April bis Anfang Mai 2025. Und ich verrate schon einmal so viel: Es gibt sehr viele Hunde – ingesamt ca. 400!
Ein kleiner Überblick über die Fellnasen vor Ort:
Auf der Farm gibt es zwei Optionen, wo man unterkommen kann: Entweder in einer kleinen Wohnung mit einer anderen Person zusammen (man hat sein eigenes Schlafzimmer) oder im Wohnwagen. Aufgrund der hohen Temperaturen war ich dann doch froh, nicht im Wohnwagen zu sein.
Um zu der Wohnung zu kommen, musste ich erst einmal durch zwei verschiedene Gehege laufen, während es von alles Seiten gebellt hat. Der Eingang der Wohnung grenzt direkt an ein Gehege. Man kämpft sich also durch sehr viele Hunde, die einen anspringen. Grundsätzlich süß – leider hatte einer die Angewohnheit, in die Waden zu zwicken, weswegen ich mich doch immer wieder umdrehen und aufpassen musste.
Die Wohnung habe ich mir mit einer eine netten Zimmernachbarin geteilt: Amy aus Irland. Sie hat sogar ganze drei Wochen auf der Pfötchenfarm geholfen. Ich hatte am Anfang ziemlich Respekt davor, ausschließlich Englisch zu sprechen (weil ich das im Alltag eigentlich nie mache), aber am Ende war es nur Übungssache. Mit dem Kochen haben wir uns abgewechselt. Der beste „Nachbar“ war allerdings Woody:

Woody ist ein brauner Labrador-Mischling, den ich sofort eingepackt hätte, wenn ich nicht schon einen eigenen Hund hätte. Direkt hinter der Wohnungstür (auf dem Bild oben) war die Küche. Und immer, wenn wir in der Küche saßen (oder auch morgens nach dem Aufstehen) und das kleine Fenster offen war, hat Woody uns folgendermaßen begrüßt:
„Freiwilliger Helfer“ heißt auf der Pfötchenfarm aber nicht nur schöne Zeit mit Hunden, sondern natürlich auch Arbeit. Und das heißt im Normalfall: Hundekot aufsammeln. Viel Hundekot aufsammeln. Teresa, die Leiterin der Hundefarm, weist einem morgens einen Bereich zu, für den man zuständig ist.
Je nachdem, wie viele Personen auf der Farm sind (es gibt Freiwillige, Festangestellte und natürlich Teresa), ist man mal alleine oder auch mal zu zweit für einen Gang bzw. Bereich zuständig.
Die Gehege sind sehr unterschiedlich: Es gibt welche, in denen eher verträgliche Hunde untergebracht sind (dort leben dann ca. 20 Hunde) und auch Hunde, die im Umgang nicht ganz so einfach sind (manchmal sind in einem Gehege dann nur zwei Hunde).
Bewaffnet mit einer Schubkarre, leeren Futtersäcken, einem Besen und einer Plastikschaufel geht es dann los. Wir arbeiten uns von hinten nach vorne und müssen beim Öffnen der Tore natürlich immer darauf achten, dass keiner der Hunde erwischt. Und die Arbeit im Gehege selbst wird manchmal unterbrochen. Das ist ehrlicherweise aber auch eine angenehme Art, von der Arbeit abgehalten zu werden.
Kot aufsammeln oder kuscheln? Keine leichte Entscheidung!
Man sollte es vielleicht nicht meinen, aber viele Hunde produzieren sehr viel Kot. Und der ist höllisch schwer. Die Säcke werden in einen Container gebracht, der vor dem Farm-Gelände steht. Und wie schwer die Säcke sind, merkt man spätestens dann, wenn man mit drei vollen Säcken in einer Schubkarre den Gang und den unebenen Boden vor der Farm entlang-eiert.
Ein Haufen… Arbeit
Die Arbeit beginnt so gegen halb neun Uhr morgens. Inklusive einer kleinen Verschnaufs- und Mittagspause ist man mit dem Aufsammeln dann so gegen 13/14 Uhr fertig. Das ist natürlich aber auch abhängig davon, wie viele Leute heute helfen oder wie sehr man sich von süßen Hunden ablenken lässt. Offiziell hat man hier seine „Arbeit erledigt“ und dürfte Feierabend machen. Aber es gibt noch viel zu tun!
Wasser- und Futternäpfe müssen gefüllt werden (wobei das hier keine Näpfe, sondern riesige Eimer sind), kaputte Dinge sollten repariert werden und manchmal passieren auch unvorhergesehene Dinge (dazu später mehr).
Was auch möglich ist: Ein Spaziergang mit einem Hund. An einem Tag sind wir mit Hunden spazieren gegangen, die erst ca. eine Woche vorher angekommen sind. Eine Frau musste ihre vier Hunde aus gesundheitlichen Gründen abgeben und die Umstellung war natürlich (wie für jeden Hund) absoluter Stress.
Große Aufregung auf der Farm nach dem Spaziergang
Besonders gefreut habe ich mich auf einen Spaziergang mit Woody. Der, der uns jeden Morgen an der Tür begrüßt hat. So ein herzensguter Hund, der am liebsten 24/7 hätte gestreichelt werden wollen. Ich war mehrfach kurz davor, ihn in unsere Wohnung zu lassen. Aber das hätte vermutlich das absolute Chaos gegeben.
Leinenführigkeit bei einem Tierschutzhund?
Mein Antrieb auf die Farm zu kommen, war: Jetzt gucke ich mal, wie ich als angehender Hundetrainer mit Hunden klar komme! Diesen Anspruch musste ich aber sehr schnell über Bord werfen.
Ja, ich wollte ein bisschen mit Woody trainieren. Ich dachte mir, dass er bestimmt schnell eine Familie findet, wenn er schon grundlegende Dinge kann. Aber „Training“ hat hier wirklich keine Priorität.
Es sind einfach zu viele Hunde, als dass man sich so individuell um einzelne kümmern könnte. Die Aufregung bei den Hunden ist außerdem so hoch, dass ein Training hier auch gar nicht nachhältig wäre.
Wichtiger ist zum Beispiel die Gesundheit. Einmal in der Woche kommt ein Tierarzt vorbei, um die schwerwiegenderen Fälle zu behandeln. Und ich hab noch nie so viele Heimtierausweise auf einem Haufen gesehen:

Der Tierarztbesuch war auch notwendig – denn alleine in drei Tagen hat es schon zwei Beißereien gegeben. Glücklicherweise nichts lebensbedrohliches, aber ein Hund hatte eine offene Wunde und musste separiert werden.
Die Hunde stehen unter konstantem Stress und manchmal reichen Kleinigkeiten, damit es zur Eskalation kommt. An einem Tag hat zum Beispiel eine Laster eine Fuhre Schotter geliefert und vor der Farm abgeladen. Diesen Geräusch hat ausgereicht, dass es zu einem Aufruhr auf der Farm gekommen ist und in einem Gehege auch leider zu einer Auseinandersetzung.
Woher nimmt Teresa nur diese Energie?
Links im Bild ist Teresa zu sehen, die organisiert, welche Hunde beim Tierarzt vorstellig werden (hier muss sie priorisieren, da der Arzt nur kurze Zeit dort ist). Wir bringen ihr dann die Hunde, was herausfordernd ist, wenn man einen Hund durch mehrere Gehege führen muss.
Aber Teresa ist wirklich einmalig. Nicht nur, dass sie alle ca. 400 Hunde kennt; sie ist auch von morgens früh bis abends spät unterwegs. Sie gibt Hunden Medikamente, organisiert die Farm und in der Zeit, in der ich da war, hat sie sich auch noch um ein kleines Kätzchen gekümmert, die alle paar Stunden Milch zugefüttert bekommen musste.
Während ich mich also manchmal für eine „kleine Pause“ rausziehe, ist Teresa immer noch am Rotieren.
So sieht die „kleine Pause“ auf der Farm aus:
In meiner Zeit hat es außerdem zwei Situationen gegeben, die wirklich einfach nur verrückt waren. Auf der Farm muss man sich sowieso ein Stück weit von seinem privilegierten Leben verabschieden. Aber als mittags die Info kam „der Strom ist ausgefallen“, war das noch einmal eine andere Nummer.
Hast du keinen Strom, hast du auch kein Wasser
Auf der Pfötchenfarm in Portugal bedeutet das nämlich, dass es auch kein Wasser mehr gibt, da die Pumpe per Strom betrieben wird. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir nur die Info, dass es sogar mehrere Tage dauern könnte, bis das Problem behoben ist. Und zu diesem Zeitpunkt war ich vollgeschwitzt und habe Hundekot eingesammelt.

Also musste schnell ein Notfallplan her: Wasserkanister im nächsten Supermarkt besorgen, damit wir auch für die nächsten Tage genug haben. Fertigessen, da kochen nicht mehr möglich war. Glücklicherweise hatten wir die Wassereimer der Hunde noch am Vortag frisch aufgefüllt. Und noch mehr Glück war, dass der Strom ab dem späten Abend wieder funktionierte.
Wer ist diese Frau?
Die nächsten Tage wurden nicht weniger langweilig: An einem Vormittag habe ich die Info bekommen, dass gleich neue Hunde ankommen werden. In der Realität hieß das, dass eine etwas verwirrt und gehetzt aussehende Dame in einem klapprigen alten Auto angerauscht kam. Sie hatte etwa 10-15 Hunde im Auto.
Es war eine wirklich kuriose Situation – aber auch die Frau machte einen eher merkwürdigen Eindruck. Und ohne zu sehr in Detail gehen zu wollen: Man hat ihr angemerkt, dass sie ihr Leben einzig und allein den Hunden verschrieben hat. Anscheinend ist sie privat mit dem Auto in Portugal unterwegs und sammelt herrenlose/zurückgelassene Hunde von den Straßen ein.
Die nächsten Minuten waren wir also damit beschäftigt, die Hunde in einem Gehege unterzubringen, wo die Hunde teilweise panisch gezittert und uriniert haben.
Jeden Monat fährt ein Transporter mit ca. 30 adoptierten Hunden von der Farm zu ihren End- oder Pflegestellen. Aber leider werden es dadurch nicht weniger.
„Würdest du das nochmal machen?“
Ich gebe es zu: Als ich mit dem Auto auf dem Weg zurück zum Flughafen war, war ich mehr erleichtert als traurig. Ja, es ist eine wichtige, wertvolle Arbeit die dort geleistet wird. Aber sie verlangt einem viel ab – besonders psychisch. Man muss sich davon verabschieden, alle „retten“ zu können. Hier geht es wirklich darum, beim Nötigsten zu helfen.
Als ich wieder in Deutschland war, kam die Frage, ob ich nochmal auf die Pfötchenfarm gehen würde. Ich habe sehr bestimmt „Nein!“ gesagt. Aber schon einige Wochen später hat sich meine Einstellung geändert.
Es war logischerweise kein Luxus-Urlaub. Aber es hat sich sinnvoll angefühlt. Und die Hunde sind unendlich dankbar.
Ende? Noch nicht ganz
Ein Hund hat mich ganz besonders nicht losgelassen: Woody. Kurze Zeit nach meinem Besuch auf der Farm habe ich erfahren, dass er auf eine Pflegestelle nach Mönchengladbach gekommen ist.
Zusammen mit einer Freundin, die auch schon auf der Farm war und Woody dort gesehen hat, haben wir ihn besucht. Aus medizinischen Gründen musste er einen Trichter tragen, aber es war wirklich schön, ihn wiederzusehen. Das war Ende Juni 2025.
Und zu dem Zeitpunkt stand auch schon fest: Woody kommt in ein neues Zuhause – er wird adoptiert. Ein schöneres Ende hätte ich mir für die Zeit auf der Pfötchenfarm nicht vorstellen können.

Wenn du auch freiwillig auf der Pfötchenfarm in Portugal helfen willst, kannst du dich hier melden.
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