Darum gehe ich mit meinem Hund nicht mehr „spazieren“
Wie ich meinen Hund bewusst auslaste

„Ich gehe mit dem Hund spazieren“ oder „Ich gehe mal eine Runde mit dem Hund“ sind klassische Sätze, die wir sagen. Aber häufig heißt das: Die Menschen gehen eine vorgegebene Runde, gucken immer wieder aufs Smartphone und der Hund ist an der Leine.
Besonders seit meiner Ausbildung zum Hundetrainer versuche ich noch mehr darauf zu achten, dass es kein „spazieren gehen“ ist. Die Zeit mit dem Hund sollte dafür genutzt werden, dass er ausgelastet wird – denn das bringt auch uns als Halterinnen und Haltern viele Vorteile.
Was bedeutet „Hund auslasten“?
Den eigenen Hund auszulasten bedeutet nicht nur körperliche Bewegung, sondern auch geistige Beschäftigung.
Geistige Beschäftigung heißt: Schnüffelaufgaben, Suchspiele und einfach insgesamt kleine Aufgaben, damit der Hund seine Instinkte ausleben kann. Wenn du beides kombinierst – Körper und Kopf – ist dein Hund ausgeglichener. Das reduziert Stress (auf beiden Seiten) und Problemverhalten und macht vor allem das Zusammenleben entspannter. Ganz nebenbei fördert es die Bindung.
Zwischendurch muss Balou kleine Aufgaben wie „um den Baum“ absolvieren:
Warum Auslastung wichtiger ist als die Schrittanzahl
Viele Leute denken, lange Strecken ersetzen Beschäftigung. Tun sie nicht. Das sieht man besonders an Hunden, die mit zum Joggen genommen werden oder mit denen stundenlang mit dem Ball gespielt wird: Zuhause sind sie nach kurzer Zeit „trotzdem total überdreht„.
Damit will ich gar nicht sagen, dass man nicht mit seinem Hund joggen oder Ball spielen sollte – aber es geht um die Art und Weise. Ein Beispiel: Ein Hund, der nur stumpf dem Ball hinterherrennt, muss nicht denken. Er muss rennen. Wenn ich ihn aber „Sitz“ machen lasse und er bleiben muss, wenn ich den Ball werfe, ist das eine unfassbare Anstrengung für den Kopf.
Das lehrt den Hund Impulskontrolle, erhöht die Bindung (weil er sich auch auf dich fokussieren muss) und trotzdem kann mit dem Ball gespielt werden.
Den Hund seinen Instinkten nachgehen zu lassen, ist auch eine Form der geistigen Auslastung
So machst du den Spaziergang für deinen Hund spannender
Hier ein paar kleine Gassi-Ideen, die du sofort umsetzen kannst:
- Schnüffel-Intervalle: Lass deinen Hund „Bleib“ machen, versteckt ein paar Meter entfernt ein paar Leckerchen und lass ihn gezielt danach schnüffeln.
- Mini-Parcours: Slalom um Bäume, springen auf Baumstümpfe oder balancieren.
- Versteckspiel: Lass deinen Hund „Bleib“ machen. Dann versteckst du dich ein paar Meter entfernt (z.B. hinter einem Busch/Baum) und rufst deinen Hund. Aber Achtung: Achte darauf, dass keine zu großen Ablenkungen in der Nähe sind. Du kannst z.B. auch einen Dummy verstecken. Wenn ein Versteck auf dem Boden zu einfach ist: Verstecke auf einem erhöhten Ast sind schwieriger zu finden und lassen deinen Hund dreidimensional denken!
- Übungen/Tricks: Fast alles, was du zuhause trainierst, kannst du auch unterwegs trainieren. Lass deinen Hund „Bleib“ machen, laufe ein paar Meter weiter und rufe ihn mit „Hier“. Es wirkt simpel, aber z.B. im Wald gibt es so viele Ablenkungen, dass auch so eine Übung schon Konzentration erfordert.
Gestärkte Bindung zwischen Hund und Mensch
Wenn ihr gemeinsam Aufgaben löst, entsteht Nähe. Ihr arbeitet als Team. Dein Hund lernt dir zu vertrauen, weil du Signale gibst, strukturierst und belohnst. Das stärkt die Bindung zwischen deinem Hund und dir und macht ihn außerdem selbstsicherer.
Geistige Auslastung für Jundhunde, Angsthunde und Senioren
- Junghunde: kürzere, häufigere Übungen
- Senioren: weniger/keine Sprünge, mehr Schnüffelarbeit und niedrige Hindernisse
- Angsthunde: langsam aufgaben, Erfolgserlebnisse ohne Druck
Besonders eher ängstliche Hunde profitieren davon, spielerisch die Umgebung zu erkunden. Aber natürlich sollte man darauf achten, kleinschrittig anzufangen. Der gemeinsame Spaß sollte im Fokus stehen. Es macht also keinen Sinn, einen ängstlichen Hund auf einen großen Baumstamm zu heben. Freiwilligkeit ist auch ein Stichwort beim Spaß-haben.
Fazit
„Der Hund muss raus“ ist faktisch richtig, aber eben auch nur die halbe Wahrheit. Statt einem „Spaziergang mit dem Hund“ wäre „Auslastung für den Hund“ besser. Es ist weniger Stress, es ist spannender (für Mensch und Hund) und es fördert Bindung und Zufriedenheit.
Und ja: Auch im gucke noch zwischendurch aufs Handy, wenn ich mit Balou draußen bin. Aber das Ziel sollte sein: Das Gassi gehen spannender machen als die Reels bei Instagram.
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